Der Aufbau

Wer sich dem Wassergraben und dem darin aufgeschütteten Straßendamm nähert, betritt den ehemaligen ''Waffenplatz“. Dies war der einzige Zugang zum Fort. Der Waffenplatz war ursprünglich dreieckig und mit einem Hindernisgitter umzäunt. Der Platz und der Anfahrtsweg sind von Schiessscharten umgeben. Das Blockhaus, das noch heute zu sehen ist, stand früher in der südlichen Ecke.

Hinter dem Wassergraben führte der einzige Eingang zur Schanze durch einen schmalen Korridor des Torhauses. Ein Gitter, zwei massive Tore und eine Klapphebelbrücke sicherten ihn ab. Überdies waren die Mauern des Torkorridors mit Schiessscharten versehen.

Die Fenstern der beiderseits des Tores gelegenen Wachkammern sind heute offen. Ursprünglich waren sie jedoch mit soliden, eisernen Läden ausgestattet. Im Kriegsfalle wurden sie sogar zugemauert und mit Sandsäcken gesichert. Zusätzlich zu dieser  „lokalen Absicherung“ des Tordurchganges konnte die sogenannte ''Bucht'' der Einfahrt von Schützenstellungen auf den benachbarten Wallabschnitten und von der Krone des Torhauses aus beschossen werden.

Beiderseits der Aufschüttung des Torhauses befanden sich auch die Stellungen für kleinkalibrige Schnell-feuerkanonen- die sogenannten Garagen, die heute noch zu sehen sind. An die Garagen schließen sich kleine Kammern an, in denen die Bedienungsmannschaften untergebracht waren, und die von der Aufschüttung am Torhaus bedeckt sind (A). In den Wänden dieser Kammern sind Munitionsnischen eingelassen worden.

Rechts neben dem Torhaus kann man noch den charakteristischen niedrigen Brustwehrabschnitt erkennen, der die einstige Stellung der Kanone markiert. Eine weitere Kanonenstellung lag spiegelgleich auf der linken Seite des Torhauses. Die beiden Kanonen am Torhaus sollten den gesamten Bereich des Wassergrabens im hinteren Teil des Forts (in der sogenannten ''Kehle'') in Schach halten. Die zweite Kanonenstellung ist während des Oderhochwassers im Jahre1947 verschwunden. Damals wurden große Teile der Umwallung im linken Kehlbereich des Forts zur Befestigung der umliegenden Straßen abgetragen.

Abseits des der „Kehle“ abgewandten Teils der Artilleriewalls liegen weitere Garagen für die Revolverkanonen, an die sich größere Untertreterräume anschließen. Auch hier ist 1947 das Erdreich auf dem linken Unterstand abgetragen und damit der Hof vor dem rechten Unterstand (B) bis auf die Höhe des später angelegten Betonweges aufgeschüttet worden. Aus diesen Unterstellungen  heraus ließen sich die höher gelegenen Stellungen auf den beiden hinteren ''Halbbastionen'' schnell besetzen. Auch konnten von hier aus die Kanonen recht zügig auf die erhöhten Stellungen an den beiden ''Halbbastionen'' oder auf die Außenflanken der vorderen Bastionen transportiert werden. So wurde es möglich, beide Seitenfronten (die sogenannten ''Schultern'') des Werkes gleichzeitig von zwei Seiten zu verteidigen.  

Wenn man den ersten Hof des Werkes betritt, fällt der Blick auf einen mächtigen Kasernenblock, in dem mehrere Hundert Mann Besatzung untergebracht waren. Neben Schlafräumen gab es eine Küche, Waschräume, Stauraum für die verschiedensten Vorräte, und einen  tiefen artesischen Brunnen, der bis heute noch funktionsfähig ist.

Das Tor auf der Achse der Kaserne führt in einen langen Korridor (die sogenannte ''Kapitalpoterne''), der von einer starken Erddecke bedeckt ist.  In den Seitenwände befinden sich Ausgänge. Sie münden in die auf die Artilleriewallebene führenden Rampen und in schmale Höfe münden , die von den Fassaden der Frontkaserne überschattet werden.

Im vorderen Teil befanden neben den Unterkünften ursprünglich auch technische Einrichtungen wie Werkstätten, Magazine und Aufzüge, die für die logistische Absicherung  der Artillerie -Ausrüstung des Forts von großer Bedeutung waren. Im linken Flügel befand sich der Pulverraum, der wiederum in mehrere voneinander getrennte Räume unterteilt war. In den separaten Kammern wurde die mit Schwarzpulver gefüllte Munition und ein Handvorrat an Fertigmunition aufbewahrt. In den Räumen, in denen empfindliche hygroskopische Substanzen gelagert wurden, sorgte eine komplizierte Lüftungsanlage für das entsprechende Klima.

on der Frontkaserne führten drei Poternen zu den Unterständen in den vorderen Bereich des Werkes auf der Ebene des Infanteriewalls. Die beiden seitlichen Korridore mündeten in große Unterstände auf den ''Bastionen''. Neben den Garagen für die Schnellfeuerkanonen (am Ende der zur Werksachse hin gelegenen Flügel) gab es hier auch mehrere Unterkünfte für Schützen, sowie auch Latrinen, die sich am Ende der Außenflügel befanden. Die Unterstände dienten den Besatzungen beider Bastionen als Zuflucht. Die Poterne auf der Werksachse führte in einen versenkten Unterstand, durch dessen seitliche Ausgänge die beiden benachbarten Fronten des Infanteriewalls schnell besetzt werden konnten.

Mehrere Kommunikationseinrichtungen verbanden damals die tiefer gelegene Frontkaserne mit dem darüber befindlichen Artilleriewall. In beiden Flügeln der Kaserne gab es Stollen mit Wendeltreppen und Munitionsaufzügen, die nach oben hin in betonierte Ausgänge auf der Wallebene endeten. Darunter, im Raum zwischen der Wallebene und dem Gewölbe der Kaserne, lagen die Bereitschaftsräume der Geschützmannschaften (A). Auf der Werksachse befand sich ein großes Treppenhaus, in dem sich ebenfalls ein Bereitschaftsraum befand, und der ebenfalls eine Betondecke hatte (B).

Außer dem Bereitschaftsraum gab es an den Flanken des Artilleriewalls zwei einfache Unterstände, die möglicherweise auch zur Lagerung des Handvorrats an Munition gedient haben könnten (C). Leider wurden diese Anlagen von der Roten Armee gesprengt. Wie sie ursprünglich ausgesehen haben mögen, kann man heute nur noch am gut erhaltenen „Bruderwerk“ Zorndorf (D) nachvollziehen. Schließlich wurde das Zorndorfer  zur gleichen Zeit wie das Gorgaster Werk gebaut.

Die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Teilen des Forts werden erst offensichtlich, wenn man die beachtliche innere ''Kommunikationsinfrastruktur'' betrachtet. Neben den zahlreichen Poternen, die die Wälle durchstoßen,  gehören auch alle Wege, Rampen und Pfade dazu, die zu ebener Erde lagen, und die den innerhalb der Schanze operierenden Schützen eine gewisse Beweglichkeit erlaubten. Auch machten sie die Beförderung der schweren Geschütze auf und zwischen den wechselnden Stellungen überhaupt erst möglich. Zu diesem Zweck waren an allen abschüssigen Abschnitten der Wege im Boden eiserne Ringe verankert, die das Heraufziehen des Gerätes erleichterten. Ähnliche Ringe findet man auch an den Brustwehren der Feuerstellungen. Mit ihrer Hilfe konnten die Geschütze in Stellung gebracht werden.  

Da in den Archiven keine Originaldokumente mehr zu finden waren, mussten alle hier gezeigten Zeichnungen nach Begehung des Werkes, und damit lediglich nach Augenschein angefertigt werden. Im Archiv fehlen insbesondere die Bau- bzw. Revisionszeichnungen des Werkes. So ließ sich die Funktion einiger Bauteile nur noch auf der Grundlage von Vergleichen mit anderen Werken ermitteln, die Funktion anderer Bauteile blieb jedoch vollkommen unklar. Wir hoffen, weitere Forschungen werden künftig mehr Aufschluss darüber bringen.